Deutsche Medien und die aktuelle Google-Hysterie
August 20th, 2010
In den letzten Tagen geht mal wieder ein regelrechter Aufschrei durch die Medien und Politik. Dabei geht es nicht mehr um horrende Staatschulden, Banken die weitermachen als sei nichts gewesen oder (sinnvolle) Vorschläge zur Verbesserung unseres Sozialversicherungssystems. Nein, es scheint als sein nun wurde ein echtes Schreckgespenst für das Volk gefunden – Google!
Eins noch vorweg. Ich mag deutsche Zeitschriften, das deutsche Fernsehen und manchmal auch die deutsche Politik
. Aber ich mag auch Google, denn Google sorgt meiner Meinung nach stetig für Innovation und Antrieb im Netz und bietet mit seinen vielen Services (meist) einen echten Nutzen für den User.
Exemplarisch möchte ich an dieser Stelle mal den Stern herausgreifen, dessen Titelgeschichte mir gestern ins Auge fiel. Dort heißt es reißerisch “Big Brother Google is watching you – Wie der Internet Konzern mit Bildern und Daten aus unserem Leben Geschäfte machen will” Im Magazin selber veröffentlicht der Stern das so genannte “Google-Puzzle”. Hier werden die einzelnen Services von Google mit Kosten sowie Nutzen vorgestellt und mit einer Ampel versehen. Bei der Ampel steht rot für “gefährlich”, gelb für “bedenklich” und grün für “in Ordnung”. Wobei man sich grün hätte sparen können, denn diese Farbe wurde vom Stern nicht vergeben.
Dazu an dieser Stelle mal 3 Auszüge:
1. Websuche: Wurde mit gelb bewertet, weil laut Stern anonymere Nutzung nur mit speziellen Einstellungen möglich. Beim Nutzen werden die guten Suchresultate und die große Google Index erwähnt. Unter Kosten führt das Magazin die Speicherung der Suchanfragen und die Werbeanzeigen (AdWords) auf.
2. Google Analytcis: Wurde mit rot bewertet, weil laut Zeitschrift Google unter bestimmten Vorraussetzungen in der Lage wäre ein komplettes User Profil zu erstellen. Unter Nutzen wird aufgeführt, dass der Dienst den Webseitenbetreibern Informationen über die Nutzer verrät. Kosten ist die Transparenz des Users.
3. Doubleclick: Wurde ebenfalls mit rot bewertet, weil das Wissen von Google und Doubleclick in einem Konzern datenschutzrechtliche Risiken birgt. Unter Nutzen fällt laut Stern, dass das Unternehmen basierend auf den Interessen des Nutzers Werbeanzeigen auf Websites schaltet. Als Kosten wird hier ebenfalls die User-Transparenz aufgeführt.
Schaut man sich das Tun und Handeln vom Stern im Netz an stellt man aber sehr schnell fest, dass man ja selber entsprechende Services u.a. auch von Google umfangreich nutzt um besser zu Verkaufen und Leser zu gewinnen. Dazu an dieser Stelle ebenfalls mal 3 Beispiele, die ich heute morgen recherchiert habe.
1. Websuche – AdWords Anzeigen vom Stern: Sucht man bei Google z.B. nach “Nachrichten Politik”, fällt einem schnell die Werbeanzeige vom Stern (s. Bild) auf. Hier fährt der Verlag offenbar gut damit nutzungsabhängige Werbung (beim bösen “Big Brother”) zu schalten.
2. Google Anayltics auf der Stern Website: Was im aktuellen Heft noch mit einer roten Ampel gekennzeichnet ist, setzt man auf der eigenen Internetseite anscheinend gerne zur Webanylse / Nutzeranalyse ein. Wenigstens nutzt man anonymizeIP. Denn damit ist auch der Datenschutz in Google Analytics gewährleistet. Wäre klasse gewesen, wenn man sowas auch im Heft erwähnt hätte.
3. Nutzung der ivwbox auf der Stern Website: Doubleclick kommt ja wie oben gelesen nicht wirklich gut im “Google-Puzzle” vom Stern weg. Dem Stern selber reicht aber auch der Einsatz von Google Analytics nicht um seine User zu identifizieren. So findet man im Quellcode auch ein Script zur ivwbox. Wen es interessiert was dieses gute Script für den Stern leistet sollte sich den ivwbox Eintrag auf Wikipedia mal durchlesen.
Alles in allem meine ich dazu, wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen werfen. Was meint ihr?
Im übrigen auch noch was zur Politik. Unsere Ober-Verbraucherschützerin Ilse Aigner gehört ja der CSU an. Nun habe ich mir heute morgen auch mal kurz die Website der CSU angeschaut. Auch hier findet sich natürlich das Script zu Google Analytics. Leider konnte ich den Zusatz anonymizeIP (s.oben) nicht finden.
Frau Aigner, liebe CSU wie sieht es denn bei Ihnen im Glashaus aus?
Die Internetseiten anderer Medien habe ich mir bis jetzt nicht angeschaut. Aber ich bin mir relativ sicher, dass sich auch dort entsprechende Tools zu Nutzeranalyse finden. Ich persönlich finde das auch gar nicht schlimm. Denn ganz im Ernst: Werbung bekomme ich so oder so – dann lieber Werbung die mich interessiert
.
So, dass musste ich jetzt mal los werden. Ich freue mich auf Diskussion und Kommentare.
Kategorien: Allgemein, Online Marketing, Online Sicherheit, Politik
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